Unser Monatsbeitrag zur Aromatherapie/ Aromapflege hat heute ein spannendes Thema im Visier, welches im Pflegebereich vermehrt auftritt. MRSA.
Inhalt
Lesezeit: 3 Minute / 705 Wörter
Die Wirkprofile in diesem Beitrag folgen der Aromapflege-Fachliteratur (Zimmermann, Stadelmann, Wabner/Beier). Wo klinische Studien vorliegen, sind sie im Text und im Quellenblock genannt.
Ätherische Öle bei der Bekämpfung multiresistenter Keime
Ätherische Öle spielen eine immer größere Rolle bei der Bekämpfung multiresistenter Keime. Viele Antibiotika haben ihre Wirkung inzwischen verloren, die widerstandfähigen Keime reagieren nicht mehr auf sie. Dadurch sind diese Keime sehr gefährlich. Besonders Intensivpatienten, Patienten mit großflächigen Wunden, Diabetiker, AIDS-Patienten, Verbrennungspatienten und Patienten aus Alters- und Pflegeheimen sind betroffen.Ursache für MRSA
Ursache für die Zunahme von multiresistenten Keimen sind der viel zu häufige und unangemessene Einsatz von Antibiotika, Anwendungsfehler beim Patienten, wie z.B. zu kurze Einnahme, und der massenhafte und ungezügelte Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung. Es ist unglaublich, wie oft immer noch Antibiotika auch völlig sinnlos z.B. bei rein viralen Erkrankungen verschrieben und eingenommen werden. Auch bei ätherischen Ölen gilt: Zu niedrig dosiert schaden sie. Bakterien, die subletalen Teebaumöl-Mengen ausgesetzt waren, wurden unempfindlicher gegen Antibiotika (McMahon et al. 2007). Deshalb nur in wirksamer Konzentration und nach Anleitung anwenden.
Arten von multirestistenten Keimen
In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist der häufigste multiresistente Keim der sogenannte MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Er kann bei immungeschwächten Patienten lebensbedrohlich werden. Daneben gelten auch Klebsiellen, Pseudomonaden, Enterokokken und etliche Clostridienarten als kritisch. Immer mehr multiresistente pathogene Keime entwickeln sich, ein Ende ist nicht absehbar.
Wundversorgung
Vor allem stellen diese gefährlichen Keime bei der Wundversorgung immungeschwächter Patienten ein großes Problem dar. Es kommt zu Massenansammlungen im Wundbereich mit nachfolgender Infektion, wogegen sich auch ein gutes Immunsystem kaum wehren kann. Die Antibiotikaresistenz ist hier um das Tausenfache erhöht. (vgl. Stadelmann (2015), S. 393 ff.)
Penible Hygiene, Handschuhe und häufige Handdesinfektion sind notwendig, um den Keim nicht von einem Patienten zum nächsten zu schleppen. Besonders für die Ausbreitung von Staphylokokken-Infektionen sind symptomlose Keimträger wie Ärzte, Pflegepersonal oder Patienten verantwortlich. Auch der MRSA verbreitet sich so, die Übertragung kann aber auch aerogen über Staub und Tröpfcheninfektion erfolgen.
Welche Öle kommen zum Einsatz?
Laborstudien zeigen, dass ätherische Öle wie Zimt, Nelke, Teebaum, Rosmarin und Thymian MRSA-Stämme hemmen und dass Kombinationen mit Antibiotika synergistisch wirken (Übersicht 2017; Teebaum und Eukalyptus mit Oxacillin 2023). Am Patienten ist die Lage nüchterner: In der einzigen größeren Vergleichsstudie sanierte ein Teebaum-Regime 41 Prozent der MRSA-Träger, die Standardbehandlung 49 Prozent (Dryden et al. 2004, 224 Patienten). Gegen MRSA haben sich vor allem auch Cajeput, Myrte ct. cineol, Lavendel, Niaouli, Rosengeranie, Wacholder und Zitrone bewährt. Eine Kombination aus Antibiotikatherapie und ätherischen Ölen ist vielfach sinnvoll.
Portrait: Wacholder
| Verwendeter Pflanzenteil | Beeren |
| Gewinnung | Wasserdampfdestillation 1 l Öl aus ca. 100 kg Beeren |
| Wichtige Inhaltsstoffe | Monoterpene (ca. 79 %), Sesquiterpene (ca. 12 %), Monoterpenole, Sesquiterpenole, Aldehyde, Ketone, Ester, Oxide |
| Vorkommen | Mittelmeerraum, Balkanländer |
| Duft | fruchtig-herb, frisch, grün |
| Körperliche Wirkung (in der Aromapflege zugeschrieben) | stark antibakteriell, raumluftdesinfizierend, stark schleimlösend, harntreibend, stoffwechselfördernd, schmerzlindernd, entzündungshemmend, venenstärkend (phlebotonisch), durchblutungsfördernd, verdauungsfördernd, lympflussanregend |
| Psychische Wirkung (in der Aromapflege zugeschrieben) | kräftigend, aufhellend, anregend, belebend, vitalisierend |
| Wichtige Indikationen | Ekzeme, Akne, infektiöse Darmentzündungen, Venenbeschwerden, Krampfadern, Gallensteine, Arthritis, Muskel- und Gliederschmerzen, Gicht, Erkältungskrankheiten, Harnwegsinfekte, Hämorrhoiden, Ödeme, Zellulite;
Erschöpfung, Mutlosigkeit, Angstzustände, Schwäche |
| Nebenwirkungen | Extreme Überdosierung kann evtl. zur Nierenentzündung und Harnverhalt führen. |
| Kontraindikationen | keine |
| Mischt sich gut mit | Basilikum, Benzoe, Lavendel, Muskatellersalbei, Myrte, Pfefferminze, Rosmarin, Zypresse und allen Nadel- und Zitrusölen |
Wacholderbeeren wurden bereits in der Antike zu Heilzwecken genutzt. Besonders die harntreibende und mukolytische Wirkung war bekannt. Wacholderbeeren-Öl ist bei normaler Dosierung ein gut verträgliches, hautfreundliches Öl.
Wacholder festigt und entschlackt das Bindegewebe und es stärkt die Venen. Das gilt auch für den Verwandten, den Virginiawacholder (Juniperus virginiana). Im Labor hemmt Wacholderbeerenöl grampositive und gramnegative Bakterien einschließlich Staphylococcus aureus (Pepeljnjak et al. 2005), neuere Laborstudien zeigen Hemmzonen auch gegen MRSA-Stämme (2022). Auch aus den Zweigen des Wacholderbaumes kann ätherisches Öl gewonnen werden. Es besitzt ein sehr ähnliches Wirkprofil, ist aber etwas weniger verträglich.
Das Öl ist etwa zwei bis drei Jahre haltbar.
Beispiel für Ölmischungen
- Ölmischung zur Wundreinigung (nach Stadelmann)
Mischen Sie 7 Tr. Lavendel, 5 Tr. Teebaum 5 Tr. Thymian ct. thujanol, 2 Tr. Nelke und 2 Tr. Zimtrinde mit 250 ml Ringerlösung. Die benötigte Menge mit der Einmalspritze aufziehen und die Wunde damit spülen.
- Ölkompresse zur Wundbehandlung
Geben Sie 7 Tr. Lavendel, 7 Tr. Teebaum, 5 Tr. Thymian ct. linalool und 2 Tr. Nelkenknopse in eine Mischung aus 25 ml Johanniskraut- und 25 ml Ringelblumen-Öl.
- Ölmischung zur Brusteinreibung bei MRSA-Infektion der Atemwege
Mischen Sie 5 Tr. Teebaum, 10 Tr. Thymian ct. thymol, 10 Tr. Lavendel und 5 Tr. Niaouli mit 100 ml Johanniskrautöl oder Mandelöl.
Quellen:
McMahon MAS et al. 2007: Gewöhnung an subletale Teebaumöl-Konzentrationen und Antibiotikaempfindlichkeit, Journal of Antimicrobial Chemotherapy 59:125, PubMed
Übersicht 2017: Ätherische Öle gegen MRSA im Labor und Synergie mit Penicillinen, Pakistan Journal of Pharmaceutical Sciences, PubMed
Teebaum- und Eukalyptusöl mit Oxacillin gegen MRSA im Labor, 2023, PMC10215920
Dryden MS et al. 2004: Teebaum-Präparate gegen Standardsanierung bei MRSA-Trägern (randomisierte Studie, 224 Patienten), Journal of Hospital Infection 56:283, journalofhospitalinfection.com
Pepeljnjak S et al. 2005: Antimikrobielle Wirkung von Wacholderbeerenöl, Acta Pharmaceutica 55:417, researchgate.net
Wacholderöl gegen MRSA-Stämme im Labor, Applied Sciences 2022, mdpi.com
Ingeborg Stadelmann: Aromapflege. Stadelmann Verlag 2015. Eliane Zimmermann: Öle-Lexikon Wacholder, aromapraxis.de. Dietrich Wabner, Christiane Beier: Aromatherapie. Elsevier 2009.
Aktualisiert am 02.09.2026.
Alle Beiträge zum Thema ätherischen Öle im Überblick
- Aromatherapie in der Pflege
- Anwendungsmöglichkeiten der Aromatherapie in der Pflege
- Anwendung von Aromatherapie im Bereich der Psyche
- Wirkung von ätherischen Ölen in Bezug auf MRSA
- Der Einsatz von ätherischen Ölen bei Erkrankungen des Harnapparates
- Ätherische Öle und ihre Wirkung auf die Haut
Ätherische Öle in der Pflege sicher und rechtssicher einsetzen: darum geht es im Kurs Aromatherapie in der Pflege.



