Ich habe nicht lange überlegt, ob dieses Thema einen Blogartikel wert ist, denn ich habe mich die letzten Wochen ausführlich im Kontext von „Schmerzmanagement“ damit beschäftigt und finde es lohnt sich für alle Pflegefachkräfte aus unterschiedlichsten Gründen, mal in dieses Thema hineinzuschnuppern.
Inhalt
Lesezeit: 5 Minute / 629 Wörter
Waldbaden gut für Körper, Geist und Psyche
Einmal für sich selbst als Möglichkeit zur Stressreduktion und Selbstfürsorge und aus einem ganzheitlichen Blickwinkel auf den Patienten und in Hinblick auf die Möglichkeit der Beratung in diese Richtung.
Waldbaden wirkt auf den Körper, den Geist und die Psyche eines Menschen und es gibt mittlerweile einiges an Studien zu der Thematik.
Was ist aber nun „Waldbaden“? Auch Shinrin Yoku. Japanisch für: „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“ (shin =großer Wald, rin =kleiner Wald, yoku= baden.
Der Medizinprofessor und Immunloge Dr. Quing Li an der Nippon Medical School in Tokio war der Erste der die Auswirkungen des Waldes auf den menschlichen Organismus untersuchte.
Viele andere Studien folgten. Generell geht es erstmal um einen Aufenthalt im Wald und ist nicht mit bestimmten Aktivitäten verbunden und kann für jeden individuell anders ablaufen. Es geht darum in der Natur zu sein und kann genutzt werde, sich selbst und den Alltag zu entschleunigen, sich bewusst zu entspannen, Achtsam zu sein und sich zu beruhigen.
Positive Wirkungen des Waldbadens
Messbare Wirkungen zeigen sich in Studien schon nach kurzen Aufenthalten im Wald, etwa:
- Ein sinkender Adrenalinspiegel: In den Studien von Qing Li sank das Adrenalin im Urin nach Waldaufenthalten deutlich, bei Männern um knapp 30 Prozent, bei Frauen um rund 50 Prozent (Li et al. 2007 und 2008, jeweils 12 bis 13 Teilnehmende)
- Der Parasympathikus wird aktiviert: Die Herzratenvariabilität stieg in Feldstudien in 24 Wäldern messbar (Park et al. 2010)
- Die Aktivität der natürlichen Killerzellen stieg nach einem dreitägigen Waldaufenthalt um rund 50 Prozent und blieb über eine Woche erhöht (Li et al. 2007)
- Schmerzlinderung: Ein zweitägiges Waldtherapie-Programm senkte bei 33 Menschen mit chronischen Schmerzen Schmerz und depressive Symptome (Han et al. 2016)
- Senkung des Blutzuckers bei Typ-2-Diabetes: Bei 87 Patienten sank der Blutzucker nach Waldspaziergängen im Mittel von 179 auf 108 mg/dl (Ohtsuka et al. 1998), ein großer Teil des Effekts ist Bewegung
- Bei älteren COPD-Patienten sanken nach einem Waldaufenthalt Entzündungsmarker und Stresshormone (Jia et al. 2016). Die Lungenfunktion selbst wurde in der Studie nicht gemessen.
- Antioxidative Wirkung
Stresspegel senken, Blutdruck regulieren und die Herz-Kreislauf-Gesundheit stärken
„Durch die vielen positiven Wirkungen, die Waldbaden nachgewiesenermaßen auf den Körper hat, ist gut erklärt, wann „Shirin Yoku“ eingesetzt werden kann. Natürlich vorwiegend, um den Stresspegel zu senken, um den Blutdruck zu regulieren, die Herz-Kreislauf-Gesundheit zu sichern und so Erkrankungen dieses Systems vorzubeugen. Auch zur Anregung des Immunsystems und vorwiegend der natürlichen Killerzellen ist Waldbaden geeignet und kann ebenso bestehende Schmerzen lindern und die Heilung von verschiedenen Erkrankungen und Gebrechen beschleunigen. […] Außerdem wirkt „Shinrin Yoku“ blutzuckerregulierend und kann begleitend zu einer Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 praktiziert werden. Sogar das zentrale und periphere Nervensystem werden durch Waldbaden in ihrer Aktivität reguliert“ (Stress abbauen durch Waldbaden, Stenz 2020 S. 45ff). Anmerkung der Redaktion: Die im Buch genannte Anregung der Knochenheilung ist ausgelassen, dafür gibt es keine Studie.
Hört sich sehr effektiv an? Ist es! Es lassen sich mittlerweile viele Studien dazu ausfindig machen und bei Menschen mit Schlafproblemen verlängerte ein zweistündiger Waldspaziergang den Nachtschlaf messbar, am stärksten nach einem Spaziergang am Nachmittag (Morita et al. 2011).
Man könnte das ewig so fortführen und ganze Bücher sind gefüllt zu dieser Thematik. Als Gesundheitsberaterin, Pain Nurse oder auch als Fachkraft für ganzheitliche Schmerzbegleitung kann man diese begleitende Therapiemöglichkeit anregen oder als Führungskraft einer stationären Langzeitenrichtung mit berücksichtigen, dass falls möglich auch Ausflüge dahingehend geplant werden können. Auch Angehörige könnten hier ins Boot geholt und beraten werden
Übungen und verschiedene Methoden werden wir im nächsten Podcast einmal näher betrachten. Also wen das Thema interessiert, gerne reinhören.
Bis dahin eine gute Zeit, bleiben Sie gesund und machen Sie vielleicht mal einen Waldspaziergang.
Einen Einstieg ins Waldbaden mit allen Sinnen bietet der Beitrag Ein Bad für Körper und Seele im Grünen.
Ihre Lisa Ruchnewitz
Quellen: Yasmin Stenz (2020: Stress abbauen durch Waldbaden)
Ulli Felber: Waldbaden, Inspirationskarten für den Wald
Qing Li: Die wertvolle Medizin des Waldes. Rowohlt 2018 (Adrenalin, natürliche Killerzellen)
quarks.de (WDR): Waldbaden zum Stressabbau, 2019 (Cortisol, Puls, Blutdruck, Parasympathikus), quarks.de
Han JW et al. 2016: Waldtherapie bei chronischen Schmerzen, Int J Environ Res Public Health 13:255, mdpi.com
Ohtsuka Y et al. 1998: Waldspaziergänge und Blutzucker bei Typ-2-Diabetes, Int J Biometeorol 41:125, PubMed
Jia BB et al. 2016: Waldaufenthalt bei älteren COPD-Patienten, Biomed Environ Sci 29:212, besjournal.com
Morita E et al. 2011: Waldspaziergang und Schlaf, BioPsychoSocial Medicine 5:13, PubMed
Aktualisiert am 02.09.2026.



